Bei der Familie Burgdorfer auf dem landwirtschaftlichen Betrieb in Frauenfeld wird aus Kuh- und Schweinemist und weiteren organischen Abfällen Energie produziert. Auf dem Hof steht seit fast zwanzig Jahren eine Biogasanlage – damals eine der ersten in der Region.
Die Biogasanlage produziert etwa 200 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr für den Eigengebrauch und für Thurgauer Naturstrom. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Schweizer 4-Personen-Haushalt verbraucht rund 4500 Kilowattstunden Strom pro Jahr.
Wie wird aus Kuhmist Strom?
In einer Vorgrube wird der Mist von aktuell 120 Munis des Burgdorfer-Hofes gesammelt. Zusätzlich führt eine Jaucheleitung vom Nachbarhof Schweinegülle hinzu. Die Burgdorfers verwenden für die Biogasproduktion je nach Verfügbarkeit auch Grünabfälle oder Speisereste für das Gemisch, welches schliesslich in Biogas verwandelt wird.
Was passiert im Fermenter?
Über eine Pumpe wird das Gülle-Mist-Grüngut-Gemisch in den Fermenter gepumpt. Ist die Temperatur im Fermenter bei 40 Grad, dann arbeiten Bakterien auf Hochtouren und produzieren natürliches Biogas. Wenn die Temperatur zu hoch oder zu tief ist, kann der Gärprozess «kippen». Das bedeutet, die Bakterienkultur stirbt ab. Eine Reaktivierung ist nicht mehr möglich. Der Fermenter müsste in diesem Fall vollständig ausgepumpt und gereinigt werden. Landwirt Armin Burgdorfer erinnert sich an ein solches Ereignis zu Beginn seiner «Biogas-Karriere»: «Bei einer Füllmenge von 270 000 Litern Halbvergorenem eine sehr unangenehme, stinkige Situation.»
Wie wird aus Biogas Strom?
Vom Fermenter führt eine Leitung das Biogas entweder in das Gaslager oder direkt zum Generator, der daraus Thurgauer Naturstrom erzeugt. Das Gaslager funktioniert wie ein grosser, schwarzer Ballon, welcher aufgeblasen und bei Bedarf wieder geleert wird. Während der Stromproduktion entsteht im Generator Abwärme. Diese nutzen die Burgdorfers, um das Wohnhaus und bei Bedarf den Fermenter zu heizen.
Was bleibt übrig?
Im ganzen Biogasprozess bleibt ein Abfallprodukt übrig: Die vergorene Gülle. Dabei handelt es sich um hochwertigen Dünger, der auf dem Feld ausgetragen wird. Positiver Nebeneffekt dabei: Weil die Gülle bereits vergoren ist, bildet sich kein Gas mehr. Das heisst nichts anderes, als dass die Geruchsemissionen äusserst gering sind und eine reife Gülle auf die Felder ausgebracht werden kann. Ausserdem kann dadurch Kunstdünger eingespart werden. Der CO2-Ausstoss ist nahezu neutral.